Masterthesis: Museum der Meere Kiel, Nachnutzungskonzept des Helmholtz-Zentrum Kiel
Betreuung durch Prof. Wehrig, Stefan Gruthoff
Im Zentrum der Entwurfsarbeit steht das Gebäude auf den 1970er Jahren des Institutes für Meeresbiologie Geomar in Kiel. Das Institut befindet sich in promienter Lage an der Kielinie mit direktem Wasserzugang.
Das Bestandsgebäude wird aufgrund eines Neubaues für das Institut an anderer Stelle in Kiel leergezogen. Die Stadt Kiel hat sich im Rahmen ihrer Bestrebungen zu einer Meeresschutzstadt „par excellence“ zum Ziel gesetzt, an dem Standort ein Meeresmuseum zu schaffen. Grundlage dieser Entscheidung ist eine vom Hamburger Büro „Skope“ durchgeführte Machbarkeitsstudie, in dem der Rückbau als Grundsatz formuliert und ein Ersatzbau vorgeschlagen wurde.
Die Aufgabe dieser Thesis ist es somit ein Meeresmuseum für Kiel zu entwerfen, das den Anforderungen des Ortes und der Ziele der Stadt Kiel entspricht und dabei den Bestand integriert und in großen Teilen erhält.
Der Ort
Um diesen Zielen gerecht zu werden bedarf es einer umsichtigen Integration des Museums in den bisherigen Ort. Dies wird einerseits erreicht durch eine Reduzierung des Bestandes auf ein für den Ort angemessenes Bauvolumen, das sich den Maßstäblichkeiten der Umgebung unterordnet. Andererseits wird durch die neue Schaffung einer Landschaft um den Neubau herum eine Verbindung vom Wasser und dem angrenzenden Grünraum zu dem ältesten bothanischen Garten Deutschlands geschaffen. Darüber hinaus ermöglicht die neue Landschaft die Schaffung eines hochwertigen Aufenthaltbereiches mit Meeresblick zwischen den neuen Baukörpern.
Die Nutzung
Das grundlegende Thema des Museums ist die baltische See und die Klimakrise.
Ziel ist es die Klimakrise und ihre Bedeutung für die regionale baltische See bewusst zu machen, und die Identifikation mit der Ostsee durch Wissen und Erleben stärken. In der Hoffnung, dass geschützt wird was bekannt ist und ein Bezug zu jedem Besuchenden entsteht. Die Klimakrise wird nicht als gesonderter Bereich gesehen, sondern zieht sich als Querschnittsthema durch die einzelnen Ausstellungsbereiche. Das Nutzungskonzept sieht Grundsätzlich drei verschiedene miteinander verbundene Elemente vor: Die Ausstellung vermittelt Wissen und Informationen, Die Aquarien wecken Begeisterung und das Forum sorgt für Kommunikation und Austausch verschiedener Akteure rund um das Thema der Baltsichen See.
Die Setzung
Die vorgeschlagenen drei Baukörper rahmen den geschaffenen Aufenthaltsbereich ein und beziehen sich durch ihre Ausrichtung aufeinander. Die Gebäude auf Höhe des Düsternbroker Weges sind durch zwei Untergeschosse miteinander verbunden und sind auf dem Skelettbautragwerk des Bestandes aufgebaut. Hier sind die Ausstellung und das Aquarium untergebracht. Der Rundgang beginnt im südlichen Gebäudeteil und führt in den Kellergeschossen durch die neue Landschaft und endet im nördlich gelegenen Gebäude. Neben dem Abschluss des Rundganges ist hier ein Veranstaltungssaal für Vorträge, Konzerte oder Präsentationen geplant. Komplettiert wird das Ensemble durch die Schaffung eines Neubaues auf Höhe der Kiellinie. Dieser beherbergt die im Bestand untergebrachten Seehunde des Institutes und ermöglicht es der Öffentlichkeit sowohl die Seehunde im Außenbecken zu Bestauen, als auch auf dem Gebäude eine erhöhte Aussicht auf die Kielerförde zu genießen. Die Öffnungen der Gebäude sind so angeordnet, dass ihr Bezug zueinander verstärkt wird.
Die Form
Die Nutzung des Gebäudes als Museum bedingt, dass der Entwurf eine gewisse Strahlkraft durch Form und Gestalt erzeugt, ebenso sollte das Thema der Ausstellung innen und außen ablesbar sein. Durch die Ausgestaltung des Daches und die Setzung von strategischen Hochpunkten in der Dachebene soll eine Wechselwirkung zwischen dem Innen und dem Außen geschaffen werden. Innen werden maßgeblich zwei in Teilen widersprüchliche Emotionen vermittelt, die mit dem Meer assoziiert werden: Ruhe und die Dynamik der Bewegung. Zudem wirkt die Innenansicht des Daches wie eine abstrahierte Untersicht der Meeresoberfläche. Von Außen ist diese Bewegung und das assoziierte Bild ebenso ablesbar.
Der Rundgang beginnt im südlich gelegenen Gebäudeteil mit einem offenen Willkommensbereich, in dem eine Gastronomie sowie ein erstes Aquarium angeordnet ist. Nach den Nebenräumlichkeiten beginnt die Ausstellung mit der Einführung in das Thema Meer mit grundlegenden Informationen über die baltische See. Anschließend wird im 1. Obergeschoss über die Beziehung von Kiel und der Ostsee und die Historie informiert. Nach einer Aufzugfahrt, die einen Tauchgang simuliert folgt in den Untergeschossen eine Reise durch verschiedene Lebensbereiche mit ihrer Flora und Fauna, mit Information und Aquarien: Hafenbecken, Sandstrand, Flussmündung, Seegraswiesen, Kaltwasserkorallen, Skagerrak, Schärenmeer/Förden, Nordsee und als letzte Station bietet der Bereich Nutzung der Ostsee eine Plattform für die Interessen von verschiedenen Parteien und ihrer Zielkonflikte: Fischerei, Naturschutz, Energiegewinnung, Tourismus, Marine und Schiffsbau. Unterbrochen wird der Rundgang durch ein Bereich für physikalische Experimente rund um das Thema Wasser.
Als Medium des Wissenstransfers soll vor allem auf die Interaktion der besuchenden gesetzt werden. Durch „Augmented Reality“ können zu einem Aqarium fiktiv die Einflüsse des Menschen und ihre Folgen auf einen Lebensbereich hinzugefügt und skaliert oder verändert werden, beispielsweise die Darstellung von Überdünung, Vermüllung, Versauerung, Erwärmung, invasive Arten, Verkehr, Tourismus, Lärm und Munitionsreste in der See.
Am Ende des Rundganges, im nördlichem Gebäudeteil, ist das Forum angeordnet. Hier soll Raum geschaffen werden für Veranstaltungen rund um das Thema die Ozeane und der Mensch. Vorstellbar sind Kooperationen mit den Universitäten Kiels für Kunst- und anderen Studienarbeiten, mit dem Geomar für die Präsentation von Forschungsergebnissen und Expeditionen und mit verschiedenen Kieler Orchestern für Konzerte sowie Lesungen von Literatur mit Meeresbezug.
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