Wettbewerb Gaswerkareal und Brückenkopf West, Bern
Projektleitung in freier Mitarbeit bei Pannett & Locher Architects 2021
Das grundsätzliche stadträumliche Ordnungsprinzip im Gaswerkareal orientiert sich an der einseitig geöffneten Hofbebauung. Die unterschiedlichen U-förmigen Baukörper umfassen dreiseitig einen Stadtraum, der sich jeweils auf einer Seite mit dem übrigen Quartier räumlich und funktional verbindet. Dieses System erlaubt ein flexibles Reagieren innerhalb des Areals und gleichzeitig die räumliche Vernetzung auf den bestehenden Kontext. Die Bestandsbauten werden in das urbane Konzept einbezogen und der angrenzende Naturraum wird funktional mit den Hofräumen verflochten. Die vertikale Gliederung der geplanten Gebäude erlaubt unterschiedliche Situationen bezüglich Dichte und eine Anpassung an die Gebäudehöhen des Bestands. Die turmartigen Aufbauten werden zum Erkennungsmerkmal des Areals und erlauben qualitativ hochwertige Wohnungen. Durch die Abstaffelung der Gebäudehöhen entstehen vielfältige Aussenräume auf den Dachterrassen, welche für alle Bewohner zugänglich sind. Die Variabilität in der Vertikalität und Horizontalität führt zu genau differenzierten Bereichen mit grosszügigen Freiflächen einerseits und dichten urbanen Situationen andererseits, was der Verflechtung innerhalb des Areals von Stadt und Natur entspricht. Der Brückenkopf wird gestalterisch als vertikale Variante des gleichen Themas wie im Gaswerkareal behandelt, indem die Gebäudevolumetrie durch eine vertikale Staffelung eine feine Gliederung erfährt und der Bestand möglichst erhalten bleibt.
Ein differenziertes und kleinmassstäbliches Erschliessungkonzept sorgt für ein feinmaschiges Netz für den Fuss- und Veloverkehr, das auch die Anbindung an die umliegenden Gebiete gewährleistet. Das gesamte Gaswerkareal ist weitgehend autofrei ausgerichtet. Nachhaltige Mobilitätsformen sind geplant mit über 600 Veloabstellplätzen im Aussenraum inklusive öffentlichem Sharingangebot. Über 1800 Velos können in den Eingangsbereichen der Wohnkomplexe untergebracht werden. Entlang der Sandrainstrasse befinden sich im Schatten der Baumallee Autoparkplätze welche unter anderem für Carsharingorganisationen reserviert sind. 180 gedeckte Parkplätze werden im Sockel des Brückenkopfs untergebracht. Durch das Rückgrat des Areals ist eine Anlieferungsstrasse geplant. Die Strasse für den motorisierten Individualverkehr ist eine Einbahnstrasse welche bei der Ryffabrik beginnt, neben dem Gaskessel entlanggeht und und beim Eingang neben dem Wald mündet. Die Erschliessung bilden die nord-süd-verlaufende Mittelachse. Zusätzlich gibt es noch eine Ausnahmeroute für Notfallerschliessungen und den Tourbus. Dem Tourbus ist es erlaubt auf den Mitarbeiterparkplätzen des Gaskessels zwischenzuhalten und hat dadurch eine direkte Verbindung zum im Norden gelegenen Hintereingang des Gaskessels. Der nördliche und südliche Teil des Areals werden durch zwei Hauptwege erschlossen. Im Westen führt der Weg an der Bushalteschlaufe vorbei dem Rückgrat der Siedlung entlang und im Osten führt die Veloroute 8 direkt bis zur Ryffabrik und entlastet dadurch den Fussgänger vorbehaltenen Weg der Aare entlang.
Die durch die U-förmige Bebauung entstehenden Höfe, bilden zusammen mit den Dachterrassen und den Plätzen der Bestandsgebäude den Charakter der sozialräumlichen Nutzung der entstehenden Siedlung. Insbesondere die Dachebene wird als zusätzlicher Lebensraum verstanden und ist als gemeinschaftliche Bespielungsfläche verstanden. Es entsteht unreglementierter Freiraum, der durch die Anwohner, das Gewerbe und die Kultur angeeignet werden kann. Der Freiraum bleibt nutzungsoffen und bietet insbesondere auch Platz für experimentelle, nichtkommerzielle Nutzung. Es entsteht eine Symbiose zwischen dem Kulturzentrum Gaskessel und dem sich im Erdgeschoss befindenden Gewerbe, sowie den Anwohnern und Anwohnerinnen. Das Gaswerkareal hat einen starken Bezug zu Wasser durch die Aare und das Marzilli. Ausgebaut wird diese charakteristische Eigenschaft durch zwei weitere Kammmolchweiler im Süden des Gaskessels und einem Wasserspiel im nördlichen Ankunftsbereich der Bebauung. Die Positionierung der Sportanlagen ist zum Marzilibad ausgerichtet und soll dadurch die neu entstehenden Sport- und Freizeitangebote mit den bestehenden Angeboten wie dem Outdoor- Workout, der Aare und dem Marzili einfach verbinden. Es entsteht eine Vertikalverbindung, welche die Schwemmebene mit der Stadt Bern im Bereich des Löifusses erschliesst. Die Sportanlagen bilden den Freiraum für die Naherholung der Siedlung und angrenzenden Quartiere sowie der Stadt Bern und des Kirchenfelds. Der Ankunftsbereich, die Dreifachturnhalle und die Beachvolleyballfelder befinden sich teilweise unter der Monbijoubrücke und sind somit vor starker Sonneneinstrahlung geschützt. Die Positionierung der Höfe ermöglicht eine natürliche Beschattung. Die nördlich gelegene Positionierung ermöglicht auch eine Konzentration der intensivierten urbanen Freiraumnutzung und bündelt die urbanen Lärmemissionen um die Monbijoubrücke.